Lexikon

Lexikon2021-01-13T10:11:14+01:00

Rund um das Thema Pflege gibt es immer wieder Begriffe, die eine Erklärung benötigen. Wir haben einige wichtige Begriffe, nach denen wiederholt gefragt wird mit einer kurzen Erklärung zusammengestellt und ergänzen diese kontinuierlich.

Diese Informationen dienen der Orientierung und dem besseren Verständnis. Sie ersetzen aber nicht die Beratung durch Ihren ambulanten Pflegedienst oder Arzt.

Weitergehende Informationen finden Sie z. B. auch unter:

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Ambulante Pflege2021-01-13T10:24:30+01:00

Pflegebedürftige Menschen werden von der „Ambulanten Pflege“ medizinisch, pflegerisch und hauswirtschaftlich im häuslichen Umfeld versorgt. Sie wird von Sozialstationen aber insbesondere von privaten Pflegediensten angeboten. Der Pflegebedürftige vereinbart individuell den Umfang der Leistungen, die sich insbesondere auch nach dem Pflegegrad und der ärztlichen Bewertung und Verordnung richten. Für Pflegebedürftige ab dem Pflegegrad 2 übernimmt die Pflegeversicherung einen Teil der Kosten.

Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes:

Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten für ambulante Pflegeleistungen: Pflegebedürftige erhalten Pflegesachleistungen (bei Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst) oder Pflegegeld (bei Versorgung durch einen Angehörigen).

Behandlungspflege2020-11-10T11:56:20+01:00
Beratungsbesuch2021-01-13T10:16:57+01:00

Bezieher von Pflegegeld sind verpflichtet, eine Beratung in den eigenen Räumlichkeiten in Anspruch zu nehmen. Mit diesen Beratungsbesuchen soll die Qualität der häuslichen Pflege sichergestellt und unterstützt werden. Bei Pflegegrad 2 und 3 einmal halbjährlich, bei Pflegegrad 4 und 5 einmal vierteljährlich. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1, aber auch diejenigen, die Sachleistungen in Anspruch nehmen können eine halbjährliche Beratung nutzen. Diese Beratung wird auch von zugelassenen Pflegediensten durchgeführt.

Dekubitus2021-01-13T10:18:01+01:00

Dekubitus, auch „Wundliegegeschwür“ oder „Druckgeschwür“ genannt, wird durch äußere, meist längerfristige Druckeinwirkung auf Haut und Unterhautgewebe verursacht. Dabei kommt es durch die druckbedingte Unterversorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu einer Absenkung des Sauerstoffgehalts und einer Ansammlung von giftigen Stoffwechselprodukten. Die Folge kann das Absterben des betroffenen Gewebes, eine so genannte Nekrose, sein.

Ein Dekubitus gilt nicht nur als eines der größten Risiken für die Patienten, sondern ist ein großes Problem in der Altenpflege. Man unterscheidet zwischen einem akuten Dekubitus (decubitus acutus) und chronischem Dekubitus (decubitus chronicus). Der akute Dekubitus entsteht bereits nach kurzen Liegezeiten nach ein paar Stunden oder Tagen und ist durch eine oberflächliche Hautschädigung gekennzeichnet. Der chronische Dekubitus entsteht erst nach längerer Liegezeit nach mehreren Wochen oder Monaten der Bettlägerigkeit und zeigt sich als tiefes Geschwür. Und dabei reicht schon das Eigengewicht des Körperteils aus, um einen Dekubitus auszulösen.

Die Behandlung eines Dekubitus gehört in die fachkundigen Hände einer Pflegekraft bzw. eines Arztes. Die Behandlung bzw. Therapie richtet sich nach der Schwere des Dekubitus, wobei die erste Maßnahme immer die sofortige Druckentlastung ist. Damit wird die Durchblutung gefördert und beschädigte Zellen können sich regenerieren.

Einige wichtige Faktoren im Wundmanagement eines Dekubitus sind:

  • Die Lagerung (abhängig von der betroffenen Körperstelle) des Betroffenen.
  • Die Auswahl der passenden Lagerungshilfsmittel.
  • Das Zeitintervall für die regelmäßigen Umpositionierung des Betroffenen (alle zwei Stunden oder sogar kürzer).
  • Die Wundbehandlung (Reinigung, Abdeckung, ggf. chirurgische Entfernung von abgestorbenem Gewebe).
  • Die Verminderung oder Beseitigung von Risikofaktoren (z. B. Mangelernährung, Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma etc.).
  • Die Förderung der Mobilität des Betroffenen.

Jede Behandlung eines Dekubitus muss genauestens dokumentiert werden. Professionell Pflegende verfügen dafür über standardisierte Handlungsleitlinien zur Beurteilung und zum Nachweis des Therapiefortschritts.

Demenz2021-01-13T10:20:11+01:00

Demenz führt zum Verlust der geistigen Fähigkeiten. Dabei ist das Kurzzeitgedächtnis besonders betroffen, aber auch das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik und bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur. Typische Krankheitsanzeichen sind Vergesslichkeit, Verschlechterung des Denkvermögens, Wortfindungsstörungen und eine zunehmende Abnahme des praktischen Geschicks, so dass alltäglichen Aufgaben immer weniger ausgeführt werden können. Bis heute sind die Ursachen der Krankheit nicht vollständig erforscht.

Die Einstufung des Schweregrads der Demenz erfolgt gewöhnlich in drei Stadien:

  1. Frühes Stadium (v. a. Störungen des Kurzzeitgedächtnisses)
  2. Mittleres Stadium (Schwierigkeiten bei den Aufgaben des Alltags)
  3. Spätes Stadium (Gravierende Einschränkungen der Sprache, Angehörige werden nicht mehr erkannt. Betroffene sind in allen Bereichen auf Hilfe angewiesen, können z. B. nicht mehr allein essen oder zur Toilette gehen und sind auf ständige Betreuung angewiesen.

Nach den aktuellen gesetzlichen Festlegungen sind Personen, die eine demenzielle Erkrankung haben, körperlich beeinträchtigten Pflegebedürftigen gleichgestellt. Dadurch erhalten sie Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung. Mit anerkanntem Pflegegrad haben Menschen mit Demenz schon im Anfangsstadium der Erkrankung Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse. Versicherte mit Pflegegrad 1 haben Anspruch auf monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Erkrankte mit Pflegegrad 2 bis 5 haben Anspruch auf Pflegegeld und/oder Pflegesachleistungen, Leistungen der stationären Pflege, Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Zuschüsse für die Wohnraumanpassung, Tages- und Nachtpflege und Pflegeberatung und -schulungen. Hinzu kommen weitere Hilfen nach § 45b SGB XI, die sog. zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleitungen, z. B. in Form der stundenweisen Seniorenbetreuung.

Die Pflege und Betreuung eines Menschen mit Demenz ist eine verantwortungsvolle und sehr belastende Situation und verlangt in hohem Maße eine Kompetenz der Pflegenden. Viele pflegende Angehörige müssen diese Kompetenzen notgedrungen erlangen, da sich die Situation zunehmend verschlimmert. Eine besondere Hilfe bieten ambulante Pflegedienste an.

Entlastungsbetrag2021-01-13T10:20:45+01:00

Nach den Festlegungen des Sozialgesetzbuches XI, §45b erhalten alle Pflegebedürftigen der Pflegegrade 1 bis 5 einen monatlichen Entlastungsbetrag in Höhe von € 125,-. Dieser kann zur Erstattung von Kosten für z.B.  Tages- oder Nachtpflege oder Leistungen ambulanter Pflegedienste verwendet werden. Und auch für Unterstützungen im Alltag. Er soll Pflegepersonen entlasten und Pflegebedürftigen helfen, möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung zu bleiben, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und ihren Alltag weiterhin möglichst selbstständig zu bewältigen.

Familienpflegezeit2020-11-10T11:59:09+01:00

Zur häuslichen Pflege eines nahen Angehörigen haben Beschäftigte haben einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit (Familienpflegezeitgesetz – FPflZG). Damit können sie sich für die Dauer von bis zu 24 Monaten teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Das gilt auch, wenn ein minderjähriger Angehöriger, z.B. ein pflegebedürftiges Kind, außerhalb der häuslichen Umgebung betreut wird. Der Anspruch auf Familienpflegezeit gilt gegenüber Arbeitgebern mit mindestens 25 Beschäftigten. Während der Familienpflegezeit müssen Beschäftigte weiterhin mindestens 15 Wochenstunden beschäftigt sein. Während dieser Familienpflegezeit erhalten sie ein zinsloses Darlehen des Bundes statt Lohnfortzahlung zur Abfederung von Gehaltseinbußen, bleiben sozialversichert und genießen Kündigungsschutz.

Grundpflege2021-01-13T10:23:46+01:00

Eine Grundpflege umfasst Körperpflege, Ernährung, Mobilität, Vorbeugung (Prophylaxe), die Förderung von Eigenständigkeit und Kommunikation. Sie ist nach Sozialgesetzbuch Elf (SGB XI) eine Leistung der Pflegeversicherung. Die Leistungen der Grundpflege werden von Alten- oder Krankenpflegehelfer/innen, pflegenden Angehörigen oder sonstigen Betreuungspersonen durchgeführt.

Für den Umfang der Grundpflege ist die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit im Rahmen einer Einstufung in einen der fünf Pflegegrade die Leitlinie.

In den Leistungskatalogen findet man häufig Listen mit verrichtungsbezogenen Leistungskomplexen, z. B. kleine Grundpflege, große Grundpflege, Grundpflege am Bett, etc.  Woraus diese Leistungspakete aber im Einzelnen bestehen ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Eine Detail-Information erhält man bei seinem ambulanten Pflegedienst am Wohnort des Pflegebedürftigen.

Die kleine Grundpflege kann folgende Tätigkeiten umfassen:

  • An- und Ausziehen.
  • Nur Teilbereiche des Körpers werden gewaschen
  • Mundpflege und Zahnpflege, eventuell auch die Zahnprothesenversorgung und Lippenpflege.
  • Ausscheidung (Harnlassen, Stuhlgang) mit Hilfestellung entweder im Bett mit Entsorgung oder Begleitung zum WC mit Hilfestellung und anschließender Reinigung, eventuell Katheter-Pflege oder Stomaversorgung bei Anus praeter (künstlicher Darmausgang).

Die große Grundpflege kann folgende Tätigkeiten umfassen:

  • Unterstützung beim An- und Ausziehen.
  • Ganzkörperwäsche am Waschbecken, in der Dusche oder in der Badewanne mit Haarwäsche und Trocknung.
  • Mund- und Zahnpflege, eventuell auch die Zahnprothesenversorgung und Lippenpflege.
  • Ausscheidung (Toilettengang) mit Hilfestellung entweder im Bett mit Entsorgung oder Begleitung zum WC mit Hilfestellung und anschließender Reinigung, eventuell Katheterpflege oder Stomaversorgung bei Anus praeter (künstlicher Darmausgang).

Bei der Grundpflege handelt es sich um regelmäßig wiederkehrende Pflegeleistungen (Pflegestandards) – nicht zu verwechseln mit medizinischen Leistungen (Behandlungspflege).

Hausnotruf2020-11-10T12:00:31+01:00

Mit einem Hausnotrufsystem kann in schwierigen und Notfall-Situationen Hilfe angefordert werden.

Auf der Grundlage der Telefontechnik wird per Knopfdruck eine Notrufzentrale informiert, die direkt Hilfsmaßnahmen einleiten kann. Das System besteht in der Regel aus 2 Teilen: einem Hausnotruf-Basis-System mit Freisprechanlage und Notruftaste und einem Funksender, der am Körper z.B. als Armband, Brosche oder Halskette getragen werden kann. Es gibt verschiedene Systeme bis hin zu mobilem Hausnotruf (Handy). Die Signale werden vom Träger an die Basisstation gesendet. Das Signal geht auch durch Wände und verschlossene Türen.

Hilfsmittel2021-01-13T10:25:27+01:00

Hilfsmittel sind Geräte und Gegenstände, die Menschen helfen können, körperliche Einschränkungen auszugleichen. Damit sollen sie ihre Selbständigkeit wahren können, auch für eine Erleichterung der häuslichen Pflege. Grundsätzlich wird zwischen technischen Hilfsmitteln und Pflegehilfsmitteln unterschieden.

Hilfsmittel, die im Hilfsmittelkatalog gelistet sind, werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen bezahlt. Dazu zählen u.a. Rollstühle, Hörgeräte, Lesehilfen für den Computer, etc.

Siehe auch: Pflegehilfsmittel

Kombinationsleistungen2021-01-13T10:27:00+01:00

Bei der häuslichen Pflege kann der Bezug von Pflegegeld und von ambulanten Pflegesachleistungen auch miteinander kombiniert werden. Eine Kombinationsleistung entsteht z.B. bei einer stundenweisen Betreuung durch eine Pflegekraft und der restlichen Betreuung durch Angehörige. Der Pflegedienst wird von der Pflegeversicherung bezahlt und den prozentualen Restbetrag des Pflegegeldes erhält der Versicherte zur eigenverantwortlichen Verwendung. Pflegegeld und Sachleistungen können nicht beide in voller Höhe bezogen werden.

Leistungskomplexe2021-01-13T10:27:24+01:00

Der Begriff aus der Pflegeversicherung beschreibt eine Leistung oder die Kombination von Leistungen, die nach vertraglicher Absprache beim Patienten oder Pflegebedürftigen erbracht werden und mit der Pflegekasse, dem Sozialamt oder dem Selbstzahler abgerechnet werden.

Medizinische Behandlungspflege2021-01-13T10:28:10+01:00

Die Häusliche Krankenpflege nach SGB V umfasst die drei Bereiche: Behandlungspflege, Grundpflege und Hauswirtschaftliche Tätigkeiten.

Die Behandlungspflege (Sozialgesetzbuch Fünf – SGB V, Behandlungspflege im Rahmen der Häuslichen Krankenpflege nach § 37 SGB V) umfasst ausschließlich medizinische Leistungen, die auf ärztliche Verordnung hin von examinierten Pflegekräften aus der Gesundheits- und Altenpflege durchgeführt werden. Darunter fallen Tätigkeiten wie die Wundversorgung, der Verbandswechsel, die Medikamentengabe, die Dekubitusbehandlung oder die Blutdruck- und Blutzuckermessung.

Leistungen im Überblick:

  • Blutdruck- und Blutzuckermessung
  • Vorbereiten und Verabreichen von Medikamenten
  • Injektionen: intramuskulär (i. m.) und subkutan (s. c.), z. B. Insulin- oder Thrombosespritzen
  • Wundversorgung und Verbandswechsel
  • Kompressionsstrümpfe an- und ausziehen
  • Stützende und stabilisierende Verbände anlegen (Kompressionsverbände)
  • Behandlung eines Dekubitus
  • Portversorgung
  • Absaugen der oberen Luftwege durch Mund und Nase
  • Inhalation
  • Stomaversorgung, Versorgung von suprapubischen Kathetern und einer Ernährungssonde (bei enteraler Ernährung)
  • Katheterwechsel, Blasenspülung
  • Einläufe

Behandlungspflege ist eine medizinische Leistung. Die Kosten dafür trägt die Krankenversicherung des Patienten.

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)2021-01-13T10:29:13+01:00

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Die Kranken- und Pflegekassen beauftragen den MDK mit einer häuslichen Begutachtung des Antragstellers. Der Gutachter ermittelt vor Ort den individuellen Hilfebedarf der Person und prüft z. B. inwieweit die Voraussetzungen für einen Pflegegrad erfüllt werden. Daraus folgt eine Empfehlung für eine Einstufung in einen Pflegegrad in Form eines Gutachtens für die zuständige Pflegekasse, die darüber entscheidet. Auch schlägt der MDK Maßnahmen zur Reha und Prävention vor und gibt Empfehlungen über die Art (z.B. ambulante Pflege) und den Umfang der nötigen Pflegeleistungen ab. Alle MDK-Aufgaben sind in § 275 des Sozialgesetzbuches Fünf (SGB V) geregelt.

Die MDK-Zuständigkeit betrifft vier Bereiche:

  1. Begutachtungen für die Krankenversicherungen
  2. Beratung in medizinischen Versorgungsfragen
  3. Begutachtungen für die Pflegeversicherung
  4. Sicherung der Pflegequalität

Die MDK-Begutachtung ist ein sechsstufiges Verfahren:

  1. Prüfung der Voraussetzungen für eine Pflegebedürftigkeit.
  2. Prüfung des Grades der vorhandenen Selbstständigkeit in den sechs Untersuchungsbereichen
  3. Empfehlung eines Pflegegrades.
  4. Vorschlag von Maßnahmen zur Prävention und Rehabilitation.
  5. Empfehlungen über Art und Umfang von Pflegeleistungen.
  6. Hinweise zu einem individuellen Pflegeplan.
Pflegegeld2021-01-13T10:31:56+01:00

Wer selbst über die Verwendung des Pflegegeldes entscheiden möchte kann Pflegegeld beantragen – muss dann aber selbst die häusliche Pflege sicherstellen, z.B. durch Angehörige oder andere ehrenamtlich tätige Personen. Eine dazu vorgeschriebene regelmäßige fachliche Beratung soll helfen, die Qualität der häuslichen Pflege zu sichern und eine Hilfestellung für die Pflegenden sein. Die Pflegekasse überweist das Pflegegeld direkt an die Betroffenen. Eine Kombination bei Bezug des Pflegegeldes mit der Inanspruchnahme von Sachleistungen (Hilfe von Pflegediensten) ist möglich, bei Verrechnung des Pflegegeldes mit diesen Leistungen. Die Höhe des Pflegegeldes ist abhängig vom Pflegegrad.

Pflegegrad2021-01-13T10:48:06+01:00

Bei einer Einschränkung der Selbständigkeit und Alltagskompetenz werden Pflegegrade zugeordnet. Nach einem Antrag auf Pflegegrad bei der Pflegekasse ermitteln Gutachter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) bei gesetzlich oder der MEDICPROOF GmbH bei privat Versicherten den Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit und empfehlen einen Pflegegrad. Je nach Schwere der Beeinträchtigung wird einer der Pflegegrade von Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 bis Pflegegrad 5 zugeordnet. Mit zunehmender Bedürftigkeit steigt die Höhe der Geld- und Sachleistungen. Letztlich entscheidet die Pflegekasse des Antragstellers über die Genehmigung eines Pflegegrades und der damit verbundenen Pflegeleistungen.

Die von den Pflegeklassen beauftragten Gutachter erfassen alle wichtigen Gesichtspunkte der Pflegebedürftigkeit aufgrund körperlicher, psychischer und kognitiver Beeinträchtigungen. Ausschlaggebend für die Zuweisung eines Pflegegrads ist der Grad der Selbstständigkeit einer Person in folgenden sechs Modulen:

  1. Mobilität: Wie selbstständig bewegt sich der Begutachtete? 10% der Gesamt-Bewertung.
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Kann sich der Antragsteller in einem Alltag noch orientieren, für sich selbst Entscheidungen treffen, und seine Bedürfnisse mitteilen? 7,5% der Gesamt-Bewertung.
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Wie oft benötigt der Betroffene Hilfe wegen psychischer Probleme wie aggressivem oder ängstlichen Verhalten? 7,5% der Gesamt-Bewertung.
  4. Selbstversorgung: Wie selbstständig kann sich der Begutachtete noch täglich selbst waschen und pflegen? 40% der Gesamt-Bewertung.
  5. Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Welche Hilfen benötigt der Antragsteller beim Umgang mit Krankheit und Behandlungen wie z. B. bei Dialyse oder Verbandswechsel? 20% der Gesamt-Bewertung.
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Wie selbstständig kann der Begutachtete noch seinen Tagesablauf planen oder Kontakte pflegen? 15% der Gesamt-Bewertung.

Leistungen nach Pflegegraden

LeistungsartPG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Pflegegeld
(monatlich)
316 €545 €728 €901 €
Pflegesachleistungen (monatlich)689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Tages- und Nachtpflege (monatlich)689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Kurzzeitpflege
(jährlich)
1.612 €1.612 €1.612 €1.612 €
Verhinderungspflege (jährlich)1.612 €1.612 €1.612 €1.612 €
Vollstationäre Pflege (monatlich)770 €1.262 €1.775 €2.005 €
Betreuungs- und Entlastungsleistungen (monatlich)125 €125 €125 €125 €125 €
Zum Verbrauch best. Pflegehilfsmittel (monatlich)40 €40 €40 €40 €40 €
Hausnotruf
(monatlich)
23 €23 €23 €23 €23 €
Wohnraumanpassung
(je Gesamtmaßnahme)
4.000 €4.000 €4.000 €4.000 €4.000 €
Wohngruppenzuschuss (monatlich)214 €214 €214 €214 €214 €

Leistungen bei häuslicher und stationärer Pflege

Antragsteller mit Pflegegrad 1 erhalten monatlich 125 Euro als Kostenerstattung für Betreuungs- und Entlastungsleistungen sowie monatlich 40 Euro für die Versorgung mit Verbrauchs-Pflegehilfsmitteln . Zusätzlich stehen z.B. Zuschüsse zur altersgerechten Wohnraumgestaltung (bis zu 4.000 Euro) sowie zwei kostenlose Beratungsbesuche pro Jahr zu. Es besteht kein Anspruch auf Pflegegeld oder andere Zuschüsse. Kosten der häuslichen oder stationären Pflege sind selbst zu tragen.

Dagegen haben Pflege- und Betreuungsbedürftige mit den Pflegegraden 2 bis 5 Anspruch auf Pflegegeld und Pflegesachleistungen für die Pflege durch einen häuslichen Pflegedienst oder die ambulante Versorgung in einer Einrichtung für Tagespflege oder Nachtpflege. Weiter kann man Zuschüsse zur Verhinderungspflege, zur vollstationären Pflege, zu Pflegehilfsmitteln sowie zur Wohnraumanpassung erhalten.

Pflegehilfsmittel2021-01-13T10:51:51+01:00

Pflegehilfsmittel sind im 11. Sozialgesetzbuch gesetzlich geregelt. Unabhängig von der Höhe des Pflegegrades werden Pflegehilfsmittel genehmigt, die die Pflege und selbständige Lebensweise des Pflegebedürftigen erleichtern und unterstützen. Man unterscheidet dabei zwischen technischen Pflegehilfsmittel wie Pflegebetten, Lagerungshilfen und Notrufsysteme aber auch Verbrauchsprodukten wie Einmalhandschuhe, Windeln oder Betteinlagen. Zusätzlich gibt es auch Pflegehilfsmittel für Körperpflege und Hygiene und zum Verbrauch bestimmte Pflegemitte